Da wir in letzter Zeit verstärkt Fototouren zu Regionen der Welt unternahmen, die bzgl. Flora und Fauna stark gefährdet sind, war es logisch, eine spezielle Tiger-Tour in Indien zu unternehmen. Inbesondere auch, da der WWF das "Jahr des Tigers" ausrief, um auf die Bedrohung dieser Spezies aufmerksam zu machen. Bei den geplanten siebzehn Safaries, in drei für ihre Tiger bekannten Nationalparks war sichergestellt, dass wir auch in Kontakt mit gefährdeten Königs-Tigern kommen. In Indien hat man dem Interesse an Tigern Rechnung getragen und bietet mitterweile entsprechende kontigentierte Jeep-Safaries nach afrikanischem Vorbild kommerziell an. Da Indien auch über zahlreiche Schätze der Architektur verfügt, wurde auch eine kurzer Kulturtrip zum Taj Mahal und dem Roten Fort in Agra eingebunden.
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Pench-NationalparkDer Pench-Nationalpark hat eine Grösse von 758 qkm und verdankt seinen Namen dem Pench-Fluss, der das Arial durchzieht. Er ist etwas 70 km von der Stadt Nagpur entfernt und weisst eine Vegetation ähnlich einem europäischen Laubwaldes aus. An Tiere findet man hier Sambar-Hirsche, verschiedene Affenarten, Wildschweine, Rehe, Leoparden und den Grund unserer Reise - Tiger. In dem für Besucher zugänglichen Bereich lebt eine recht abgemagerte Tigermutter, die permanent auf Jagd ist, um ihre fünf hungrigen Jungen zu versorgen. Die Jungen waren leider nicht zugänglich, da sie ausserhalb der erlaubten Routen permandent im Dickicht verweilten. Dafür war die Wahrscheinlichkeit recht hoch, das Muttertier auf ihren Beutezügen morgens oder abends durch den Park zu erwischen. Die recht lichte Vegetation war dabei recht fotofreundlich. Zudem erlaubte die Parkverwaltung auch Elefanten-Safaries ausserhalb der definierten Routen. Wir trafen ausser auf Tiger recht oft auf Sambar-Hirsche, Axis-Hirsche und Gold-Schakale. Recht imposant waren auch die Werbetänze des blauen Pfaus, die man in Europa nur aus Parks kennt. |
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Kanha-NationalparkDer Kanha National Park war mit 1067 qkm der grösste Park auf unserer Reise. Die Sal- und Bambuswälder waren zwar nicht sehr fotofreundlich, beherbergten dafür deutlich mehr Tiere. Neben unseren Tigern gab es noch zahlreiche Languren, indische Wildhunde, Gold-Schakale, Axis-Hirsche , Gaur-Büffel, Wildschweine und Hyänen zu beobachten. Recht häufig hatten wir die Gelegnheit, die Barasinga-Hirsche in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, die es nur in diesem Park gab. Aber auch die Vogelwelt war hier üppig vertreten. Neben dem Bankivahuhn (die Wildvariante des deutschen Haushuhns) waren hier aber auch Marabus, Pfaue und zahlreiche Falkenarten zu sehen. Erstmalig hatten wir hier auch mit Reptilien wie einer Tiger-Python Kontakt. Die Parkleitung war hier sehr gut organisiert. Falls keine Tigersichtungen gemeldet wurden, wurde kurzerhand eine "Tiger-Show" ausgerufen und als Transportmittel musste ein Elefant mit einem kundigen Mahout herhalten. Ingesamt war dieser Park ein gesundes Biotop mit reichlich Tierbestand, in dem die zahlreichen Tigern genügend "Futter" fanden. |
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Bandhavgarh-NationalparkDer Bandhavgarh National Park war mit 437 qkm der kleinste Park und fiel vor allem durch aus unserer Sicht nicht nachvollziehbare Nutzungsregeln auf. So musste hier auf fest definierten zugeteilten Routen gefahren werden, deren Verlassen zu Strafen bei unseren Guides und Fahrern führten. Der Zufall entschied damit, ob man nur Bäume zählen durfte oder auf Tiger traf. Auch fiel auf, das der Park über extrem wenig Tiere und damit "Tigerfutter" verfügte. Dem gegenüber hielten sich in einem eng begrenzten Arial an der Parkgrenze relativ viele Tiger auf. Wir trafen auf ein älteres Männchen, ein Weibchen und drei bereits jagdfähige Jungtiere. Somit war es auch nicht verwunderlich, das während unseres Aufenthaltes die Mutter mit ihren Jungtieren den 3 Meter hoher Zaun übersprang und im nächsten Dorf ein Kuh riss. |
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Tiere unterwegsAuch abseits der Parks gab es genug Gelegenheiten, Tiere zu beobachten. Vor allem Vögel wie der mitterweile auch in Europa heimische Halsbandsittich oder der Hirtenmaina sind oft zu finden. Mehr Glück benötigt man, wenn man einem Braunliest bzw. white-breasted Kingfisher begegnen möchte. |
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Taj Mahal und Rotes FortEin Reise nach Indien ohne das Taj Mahal zu besichtigen, das geht einfach nicht. Im 16. Jahrhundert lies Großmogul Shah Jahan die Grabstätte zum Gedenken an seine verstorbene Hauptfrau Mumtaz Mahal bauen. Dieses Weltkulturerbe ist einer der schönsten noch erhaltenen Bauten des Mogulstils in der islamischen Kunst. Es besteht aus einem 58m hohem und 56m breiten Mausoleum, das auf einer 100 qm großen Marmorplattform steht und von einem 18 Hektar grossem Garten umgeben ist. Schon beim Bau wurde Wert auf Sicherheit gelegt. So sind die Minarette leicht nach aussen geneigt, damit sie bei einem Beben das Hauptgebäude nicht zerstören. In der Jetztzeit sollen verkehrsberuhigte Zonen, strenge Zutrittskontrollen und Flugverbotszonen den Fortbestand des Gebäudes sichern. Das Rote Fort wurde im 16. Jahrhundert als Festungs- und Palastanlage für die Mogulkaiser gebaut und steht für eine Harmonie aus islamischer und hinduistischer Baukunst. Mittlerweile wird es auch UNESCO-Weltkulturerbe geführt, obwohl ein Teil des Geländes noch militärisch genutzt wird und somit für Besucher gesperrt ist. Recht imposant sind die 21 Meter hohen Mauern aus rotem Sandstein, die mit einem Umfang von 2,4 Kilometern einen halbmondförmigen Grundriss abbilden. |
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Menschen in IndienWir hatten das Glück, dass unsere Reise in die Zeit des Holi Festes fiel. Dieses indisches Frühlingsfest findet in der Regel am Vollmondtag des Monats Phalguna (Februar/März) statt, kann zwischen zwei und zehn Tagen dauern und gilt schlechthin als das "Fest der Farben".Dabei wird ausgelassen gefeiert und man bewirft bzw. besprüht sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser oder gefärbten Puder. Zudem wird auch der Alkohol nicht verschmäht. Ansonsten sind die Inder ein recht freundliches und hilfsbereites Volk. Es ist schön zu sehen, wie der wirtschaftliche Aufstieg des Landes sich bis ins letzte Dorf verfolgen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Mittelstand weiter schneller entwickelt, als noch bestehende rassistische Kastenstrukturen. Für uns war es spannend zu erleben, wie tief die Tierliebe der Landbevölkerung entwickelt ist, die selbst Nackenmassagen für Büffel mit einschliesst. |
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Impressionen am WegesrandDie indische Kultur, die Landschaft und das quirlige Leben sorgten dafür, dass auch während unserer Fahrten zwischen den Naturschutzgebieten bzw. den Sehenswürdigkeiten keine Langeweile aufkam. Unabhängig von unserer Tigertour hat Indien einfach eine weitere Reise verdient. |
Erstellt am 01.08.2011